Objektive: Überblick über Parameter und Eigenschaften

(Insbesondere Objektive für Spiegelreflex-Kameras) ASCII

Allgemein

  • Die Bildqualität hängt vom Objektiv ab, neben Sensor- oder Filmeigenschaften
  • Jedes Objektivmodell hat eine eigene Abbildungs-Charakteristik, diese ist auch Geschmackssache
  • Bis auf Anfangsöffnung und Brennweite sind alle anderen Kürzel und Bezeichnungen Hersteller-spezifisch
  • Nicht alle Hersteller bieten alle technischen Features an

Objektivtypen

  • Linsenobjektiv: Abbildung auf Sensorebene durch Linsen aus verschiedenen Glassorten als Festbrennweite oder Zoom
  • Spezialtypen:
    • Makro-Objektiv: Abbildungsmaßstab bis etwa 1:1
    • Lupen-Objektiv: Abbildungsmaßstab größer als 1:1
    • Tilt- und/oder Shift-Objektiv: Optik lässt sich verschwenken und/oder verschieben
  • Spiegellinsenobjektiv: Abbildung durch Spiegel (und Linsen). Dieser Objektivtyp eignet sich für Teleobjektive und wird oft in Teleskopen verbaut.
    • Vorteile: klein, leicht, günstig
    • Nachteile: Punkte außerhalb der Schärfeebene werden als Ringe abgebildet, i.A. schlechtere Abbildungsqualität, kleine Maximalöffnung, schwierig gegen Verwackeln zu stabilisieren, Blende ist fix

Bajonettfassung

  • Verbindung zwischen Objektiv und Kamera
  • Hersteller-spezifische Verbindung zwischen Kamera-Bajonett und Objektiv
  • Es gibt für moderne Auto-Fokus-fähige Bajonette keine funktionserhaltenden Adapter. Für Objektive mit Leica M42-Bajonett (Manuell-Fokus-Objektive) gibt es sog. T2-Adapter auf alle gängigen Bajonette
  • Manche Hersteller wechseln auch zwecks Modernisierung das Bajonett, sodass nicht unbedingt alle Objektive mit allen Kameras einer Marke kompatibel sind
  • Auf das Kamera-Bajonett einwirkende Kräfte sollten soweit wie möglich vermieden werden, sonst kann es sich verbiegen

Blendenbereich / Maximale Öffnung / „(Gleitende) Lichtstärke“

  • Blendenbereich: Bereich zwischen maximaler und minimaler Blende
  • Je größer die Öffnung, desto kleiner die Blendenzahl
  • In der Objektivbezeichnung ist meistens die maximal mögliche Öffnung enthalten
  • Max. Blendenöffnung wird auch „Lichtstärke“ genannt
  • Ab wann ein Objektiv als „lichtstark“ bezeichnet wird, ist Ansichtssache bzw. Marketing und auch relativ zur Brennweite
  • Gleitende Anfangsöffnungen gibt es bei Zoomobjektiven, die mit steigender Brennweite die Anfangsöffnung verkleinern

Brennweite / Zoom

  • Brennweite: Angabe meist in mm
  • Brennweite bestimmt zusammen mit dem Aufnahmeformat (z.B. Kleinbild, Mittelformat, Sensor-Größe) den Bildwinkel / Bildausschnitt. Je kürzer die Brennweite desto größer der Bildwinkel
  • Bei gleichem Abstand zum Motiv gilt: Brennweite * x ⇒ Motivbildbreite * x und Motivbildlänge * x ⇒ Motivbildfläche * x² ⇒ Abbildungmaßstab * x²
  • Die „Normalbrennweite“ eines Formats entspricht etwa der Länge Bilddiagonalen, also für Kleinbild:
    • Quadratwurzel(24² + 36²) = 43,2666… ⇒ fast 50mm
  • Die sog. „Brennweitenverlängerung“ bei Digitalkameras kommt von einem (oft) kleineren Aufnahmeformat, es wird jedoch nicht die Brennweite verlängert, sondern der Bildausschnitt beschnitten. Um eine einheitliche Größe anzugeben und die Vorstellung des erzielbaren Bildwinkels zu erleichtern, werden Brennweiten anderer Formate zusammen mit dem KB-Äquivalent angegeben
  • Zoomobjektive: zur Brennweitenveränderung gibt es Schiebe- und Drehringe, letztere haben sich wegen besserer Bedienbarkeit durchgesetzt

Fokussierung

  • Manuell-Fokus oder Auto-Fokus
  • Automatische Fokussierung per Stangengetriebe (Motor in der Kamera) oder per Ultraschallmotor (im Objektiv)
  • Ultraschallmotor-Fokussierung ist um einiges schneller und leiser als Stangen-getriebene

Maßnahmen zur Bildstabilisierung

Einige moderne Objektive besitzen Linsengruppen, die gegen die Wackel-Richtung des Objektivs verschoben werden, und so das Bild in der Bildebene möglichst stabil halten. Weitere technische Lösung: statt einer Linsengruppe im Objektiv wird der Bildsensor in der Kamera bewegt. Eine software-seitige („digitale“) Bildstabilisierung ist eine minderwertige Billiglösung.

Blendenlamellen

  • Die Anzahl der Blendenlamellen bestimmt die Anzahl des Blenden-Vielecks (= die resultierende Blendenöffnung)
  • Je mehr Lamellen, desto kreisförmiger werden Punkte außerhalb der Schärfeebene dargestellt.

Features

z.B. Streulichtblende, Stativschelle, Filtergewinde, Filterdrehring, Filterschublade, Umschaltung AF/MF, Fokussierbegrenzung, Bildstabilisierung, …

Abbildungsqualität

Um eine möglichst gute Abbildungsqualität zu erhalten, werden Linsen aus unterschiedlichen Glasarten mit Vergütungen verwendet; inzwischen werden sogar Linsen verbaut, die das Licht nicht brechen, sondern beugen. Folgende Qualitätsmerkmale gibt es:

  • Auflösung: wird in Linienpaaren pro mm gemessen (lp/mm), also wie viele schwarz/weiße lp/mm ein Objektiv als Linienpaare erkennbar darstellen kann
  • Kontrast: wie knackig oder milchig die Darstellung ist - erzeugt zusammen mit der Auflösung den Schärfeeindruck
  • Verzeichnung: werden gerade und parallele Linien auch als solche wiedergegeben? Fehler: Kissen-, Tonnen-, Wellen-förmige Verzeichnungen
  • Farbfehler: da die Farben eine unterschiedliche Frequenz haben, fokussieren sie nicht in der gleichen Ebene, zur Vermeidung werden niedrig streuende Linsen eingesetzt. Fehler: farbige, ausfransende Ränder entlang von Bildkanten
  • Vignettierung: zu den Bildrändern hin wird die Abbildung immer dunkler
  • Randabfall: Abfall der Bildqualität zu den Bildrändern hin
  • Streulichtempfindlichkeit: wie ausgeprägt Schleier, Blendenreflexe, „Geisterbilder“ im Bild sichtbar werden, wenn eine starke punktförmige Lichtquelle ins Objektiv strahlt; Schleier und Blendenreflexe kann man im Sucher sehen, Geisterbilder (spiegelnde Linsenränder etc.) nicht
  • Farbstich (bei modernen Objektiven kein Thema mehr)

Weitere (Qualitäts-)Merkmale

  • Schnelligkeit der automatischen Fokussierung
  • Bedienbarkeit:
    • manuell weich, fein und ruckelfrei fokussierbar
    • Zoom sollte Fokus nicht verändern und ebenfalls weich, fein und ruckelfrei dosierbar sein
    • AF/MF-Umschalttasten am Objektiv
  • Fassung: der Aufwand, der in eine stabile und langlebige Fassung gesteckt wird, macht oft den Unterschied zwischen einem teuren und einem günstigen Objektiv aus. Oft ist ein günstiges fabrikneues Objektiv so gut wie eines, das das mehrfache kostet. Nach einiger Zeit im Einsatz (im heißen Auto, Stöße beim Transport etc., Spritzwasserdichtigkeit bei Regen) verliert ein billigeres Objektiv an Qualität durch kleine Verschiebungen der Linsen oder wird schneller defekt
  • Endkontrolle: übernimmt bei billigen Objektiven der Kunde
  • Weitere Merkmale : Baugröße, Gewicht
  • Angaben der Hersteller, die für Handling oder Abbildungsqualität wichtig sind:
    • Innen- oder Hinterfokussierung: Frontlinse dreht sich bei der Fokussierung nicht mit, wichtig für Polfiltereinsatz
    • Linsensorten und Vergütungen (Hersteller-spezifisch)
 
 objektivmerkmale.txt · Zuletzt geändert: 2013/10/05 14:50 von verena
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